Am Sonntag, 9. Oktober 2016, findet der Linzer Gemeindetag statt. Er ist ein sichtbares Zeichen von Einheit unter den Gemeinden der evangelischen Allianz in unserer Stadt. Heutzutage wird viel über Einheit gesprochen, nicht nur in den Gemeinden, sondern auch auf politischer, nationaler, ja sogar globaler Ebene. Man möchte eine Welteinheit schaffen, mit Regeln, an die sich alle Nationen, alle Menschen halten sollen, damit endlich Friede und Wohlstand, nicht nur in reichen Nationen geschehen kann, sondern auch in jenen, die unter Korruption, Krieg und Naturkatastrophen zu leiden haben. Einheit ist das Ziel. Ein gutes Ziel kann man sagen, denn wer möchte schon ständig im Streit mit jemandem leben, wer möchte nicht endlich Frieden und Sicherheit erfahren. Ein sehr gutes Ziel, wenn ich von der richtigen Quelle für diese Einheit gespeist werde. Die Geschichte hat gezeigt, dass die Menschheit sehr wohl in Einheit Gewaltiges zustande bringen kann, im positiven wie im negativen Sinne.

Wenn von Einheit in der christlichen Gemeinde die Rede ist, dann spricht Paulus im Korintherbrief sehr klare Worte dazu.

„Denn wie der Leib einer ist und doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obwohl sie viele sind, doch ein Leib sind: so auch Christus. Denn wir sind durch einen Geist alle zu einem Leib getauft, wir seien Juden oder Griechen, Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.“ (1Kor. 12,12-14)

Die Gemeinde in Korinth war schon eine besondere Gemeinde, sie praktizierte alle geistlichen Gaben, kam aber mit den unterschiedlichen Gruppierungen in ihrer Gemeinschaft nicht klar. Die einen folgten Paulus, die anderen Petrus, wieder andere meinten es besonders geistlich und folgten Christus, dabei gingen sie alle von denselben Voraussetzungen aus. Aus Gnade errettet, durch das Werk Jesu, erfüllt mit dem Heiligen Geist, um Ihm dem Haupt der Gemeinde, oder dem guten Hirten, wie Jesus sich selbst bezeichnete, nachzufolgen. Hier finde ich nun auch die Quelle der Einheit. Jesus Christus oder besser gesagt: In Christus.

Wir mögen unterschiedliche Sichtweisen haben, wenn es um äußere Formen des geistlichen Lebens geht, wie Körperhaltungen während des Betens oder Singens. In jenen Dingen, die heilsnotwendig sind, gilt es jedoch einer Meinung zu sein. Es ist ja nicht so, dass sich diese Wahrheiten jemand einfach so ausgedacht hat, nein sie stammen direkt von Jesus Christus selbst. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben, Er ist die Tür zum ewigen Leben, durch Ihn allein haben wir Zugang zu Gott dem Vater, Sein Tod am Kreuz hat alle Sünde getilgt, wer an Ihn glaubt und Ihm vertraut, hat das ewige Leben.

Wir mögen auch unterschiedlicher Meinung sein, welche Aufgaben wir ganz persönlich übernehmen sollen, aber den Auftrag der Gemeinde in dieser Welt hat ebenfalls Christus festgelegt. Missio Dei; oder anders gesagt: „Geht hin in alle Welt und verkündigt das Evangelium…machet zu Jüngern…“ Nicht leicht für jene Leiter und Pastoren, die die Verantwortung für die Gemeinden tragen. Oft sind sie es, die Visionen von Gott erhalten und nun die Nachfolger Jesu dafür begeistern sollen, damit diese Visionen Realitäten werden. Wie kräfteraubend kann es dann werden, wenn Missio Dei nicht im Herzen aller gleich schlägt. Hier ist auch die Krux an der Sache, denn Einheit heißt ja nicht, gleichgeschaltet zu sein, sondern bedeutet auch: Einheit trotz Vielfalt. Wie Missio Dei umgesetzt wird, kann sich auf bunte Art und Weise ausdrücken, wichtig ist, dass sie umgesetzt wird.

Welchen Vorteil hat es nun, eins zu sein? Gemeinsam sind wir stark, gemeinsam erreichen wir das gesteckte Ziel, gemeinsam tragen wir, was für den Einzelnen zu schwer ist. Auch das ist natürlich ohne Christus möglich. Der Unterschied, den die Welt erkennen soll, liegt in der Liebe, die Jesu Nachfolger untereinander und füreinander haben. Ich möchte noch einen Schritt weiter gehen: Gott liebte die Welt so sehr, dass er seinen einzigen Sohn, Jesus gab, um sie zu erlösen. Diese Liebe hat Gott in die Herzen seiner Nachfolger ausgegossen, damit sie fähig werden, wie Christus, diese Welt zu erreichen.
Das war Jesu Gebet für seine Jünger, kurz bevor er verhaftet wurde:

„Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist die Wahrheit. Wie du mich gesandt hast in die Welt, so sende ich sie auch in die Welt. Ich heilige mich selbst für sie, damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit. Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien. Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir, so sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“ (Johannes 17,17-21).