Bis vor einigen Jahren war meine Antwort immer dieselbe, wenn ich von einer neuen Gemeindegründung in der Stadt, wo ich Pastor war, hörte.

Ich antwortete etwa so: “Diese Stadt hat schon Gemeinden! Inklusive meiner! Warum würde jemand kommen und eine völlig neue gründen, statt uns in unseren schon vorhandenen Gemeinden zu helfen? Das ist genau das, was nur noch mehr Spaltung in den Leib Christi bringt…“. Und so lautete meine Argumentation für lange Zeit, bis ich mit einigen Fakten konfrontiert wurde, die mich meine (ziemlich feste) Meinung überdenken ließen!

Ich wusste aus der Apostelgeschichte, dass der Apostel Paulus, in Anlehnung an Jesu Anweisung “tauft und macht zu Jüngern”, eine ziemlich einfache Strategie hatte. Er schien nahezu immer in die größten Städte konkreter Gebiete zu gehen (z. B. Apostelgeschichte 16,9 & 12) und dann in diesen Städten zu wirken, bis eine Gemeinde mit Leiterschaft und einer Art Struktur entstand. Also schien sich Paulus auf Städte zu konzentrieren.

Und es stimmt, dass Städte in der heutigen zunehmend-verstädterten Welt gewöhnlich sehr einflussreich im Formen der Kultur und Einstellungen der umliegenden Gebiete sind. Verändere die Stadt und du veränderst die Region! So oder so ähnlich… Okay, aber was, wenn die Stadt BEREITS GEMEINDEN HAT? Linz ist ein gutes Beispiel für eine relativ große Stadt mit vielen Freikirchen – brauchen wir wirklich mehr?

Meine eigene Antwort auf diese Frage hat sich in den letzten Jahren drastisch verändert, nachdem ich die Statistiken über den Einfluss von neuen Gemeinden auf Städte genauer unter die Lupe nahm. Wie es ein Experte sagte:

Das entschiedene, wiederholte Gründen neuer Gemeinden ist die wichtigste Strategie für (1) das zahlenmäßige Wachstum des Leibes Christi in einer Stadt und (2) die andauernde körperliche Erneuerung und Wiederbelebung der vorhandenen Gemeinden in einer Stadt. Nichts anderes – keine ‘Crusades’, Evangelisationen, außergemeindliche Treffen, wachsende Mega-Gemeinden, Gemeinden-Consultings oder Gemeinden-Erneuerungsprozesse – werden die stetige Auswirkung von dynamischen, ausgedehnten Gemeindegründungen haben.(Tim Keller)

Neue, junge Gemeinden neigen dazu, die meisten ihrer neuen Mitglieder aus ungläubigen Menschen zu gewinnen, insbesondere junge Leute, Atheisten, Studenten oder Menschen aus Minderheiten. Für die ersten 5 bis 8 Jahre sind neue Gemeinden gewöhnlich sehr gut im Erreichen von Nichtchristen (Ed Stetzer – Planting Missional Churches, 2006). Im Gegensatz dazu gewinnen Gemeinden, die älter als 15 Jahre sind, meist viele ihrer neuen Mitglieder von anderen Gemeinden und sind statistisch gesehen weniger gut darin, Leute ohne christlichen Hintergrund zu erreichen. Ich denke, dass das normal ist und ich finde es nicht völlig negativ, dass ältere Gemeinden Nichtchristen in ihrer Gesellschaft nicht so gut erreichen wie neue Gemeinden. Natürlich, ALLE Gemeinden sollten Nichtchristen erreichen, aber ältere Gemeinden haben Tradition, Geschichte und konkrete Gepflogenheiten, die alle eine sichere Jüngerschaft für lange engagierte Christen bieten. Das macht sie möglicherweise weniger effektiv im Erreichen von Leuten, die noch nie in einem Gemeindehaus waren.

Die Lösung ist, nicht immer vorauszusetzen, dass existierende Gemeinden ständig alles verändern müssen, um “hip” zu bleiben – wie mein Vater in Südafrika zu sagen pflegte: “Warum ist alles, was alt ist, plötzlich falsch!” Nein, ich unterstütze diese Art der bestehenden Gemeinden und denke, dass das eines der Argumente ist, warum das Gründen neuer, junger und dynamischer Gemeinden gesund und normal ist – auch wenn es schon bestehende, ältere Gemeinden gibt. Es ist ein guter Weg, um sicherzustellen, dass sowohl die Evangelisation von Nichtchristen als auch das Anleiten erfahrener Christen zur Jüngerschaft vorhanden sind; das krempelt eine Stadt (und Region) um!